6) Cash Game Strategie No-Limit Holdem Poker


+ Bankroll Management

Im No Limit kann ein Spieler theoretisch mit einer einzigen Hand das komplette Tischgeld verlieren. Die Bankroll muss dementsprechend hoch sein, damit nicht passiert, dass ein unglücklicher Verlust oder eine Verlustphase einen Spieler Bankrott machen kann.

Das Tischgeld kann wie ein Turnier-Buy-In betrachtet werden, das Geld, mit dem man zum Tisch geht, ist dann ein Buy-In. Die Bankroll soll aus mindestens 30 Buy-Ins bestehen.

+ Position

Die (Setz-)Position am Tisch ist nicht nur wichtig, sondern bestimmt den Wert der Karten mit. Die eigene Position richtet sich dabei nach dem Dealer-Button.

Späte Position: Der Dealer und der Spieler zu seiner rechten.

Mittlere Position: die nächsten 3 Spieler

Frühe Position: die darauffolgenden 3 Spieler

Blinds: Small Blind und Big Blind

Gerade im No-Limit bietet die späte Position ausgezeichnete taktische Möglichkeiten, das bedeutet, dass in der späten Position die Hands relativ stärker werden, weil man dafür eine größere Auswahl an Entscheidungen bekommt.

+ Basis Spiel Pre Flop

Im folgenden Chart sind die spielbaren Hands und die Aktion je nach Position dargestellt.

In dieser Tabelle gibt es 4 Aktions-Möglichkeiten:

RRR =
Es wird geraist und ein Re-Raise der Gegner nochmals erhöht. Hier ist es also egal, was die Gegner machen.

RR =
Hat ein Spieler zuvor erhöht, dann wird man selbst wieder erhöhen. Wenn es aber zwei oder mehr Erhöhungen vorher gab, muss man aussteigen! Denn gegen zwei starke Hands hält diese Hand nicht!

R =
Hier nur raisen, wenn vorher gar nicht erhöht wurde. Hat es aber eine Erhöhung gegeben, muss man aussteigen, denn diese Hand spielt man nicht gegen einen Raiser!

Fold =
die Hand ist zu schlecht und wird sofort weggeworfen.


Frühe Pos Mittlere Pos Späte Pos Blinds
AA RRR RRR RRR RRR
KK RRR RRR RRR RRR
QQ RR RR RR RR
JJ RR RR RR RR
TT Fold R R R
99 Fold R R R
88 Fold Fold R R
77 Fold Fold R R
AK RR RR RR RR
AQ Fold R R R
AJ Fold Fold R R
KQ Fold Fold R R
Rest Fold Fold Fold Fold

+ Bets und Raises bei No-Limit

Checken heisst Folden, sagte einmal ein Pokerprofi, so unrecht hatte er nicht. Ein Call oder ein Check zeigt Schwäche, es sei denn, es stellt eine Falle dar, was aber nicht so oft vorkommt, wie man meinen könnte. Ein Bet bzw. der Raise ist das genaue Gegenteil. Darum sollte eher eine Raise-or-Fold Strategie angewandt werden, also erhöhen oder aussteigen, nur in seltenen Fällen checken oder callen.

Preflop ist ein Raise in Höhe von 3-4 Big Blinds ein Zeichen von Stärke und hält kleinere Hands davon ab, ins Spiel zu gehen. Man will ja auch gar nicht oft gegen viele Gegner spielen, um die Möglichkeit auszuschließen, dass einer davon mit Müll doch noch eine Wunder-Hand macht. Am Flop und später sind die Pot-Size-Bets die aggressivsten, das heisst ein Einsatz wird in Höhe des aktuellen Pots gespielt. Aber auch ein Bet in Höhe von 2/3 des Pots oder auch nur die Hälfte des Pots, wenn er schon hoch ist, zeigt Stärke und erzeugt Druck.

+ Gründe für einen Raise

Jeder Raise muss einen Sinn haben. Es gibt die folgenden Gründe für einen Raise und man muss sich vor diesem Spielzug im Klaren darüber sein, mit welcher Absicht der Raise gespielt wird:

-Der Raise, um mehr Chips in den Pot zu bekommen

Der einfachste Grund. Man hält eine sehr starke Hand und der mögliche Gewinn soll hoch sein.

-Der Raise, um Gegner zum Aussteigen zu bringen

Wer AA hält, will nicht fünf Gegner haben, sondern im Idealfall einen, den man ausnehmen kann. Dieser Raise hält vor dem Flop Spieler ab, überhaupt ins Spiel zu gehen und lockt die höheren Karten in den Pot.

Aber auch als Bluff macht man diesen Raise aus ebendiesem Grund. Nur will man keinen einzigen Gegner mehr haben, den Pot alsogleich jetzt gewinnen.

-Der Raise, um eine Free Card zu erhalten

Dieser Raise wird gerne am Flop gespielt. Ein Gegner bringt am Flop einen Einsatz, man beantwortet ihn mit einem Raise, der Gegner callt. Dieser Gegner wird Stärke vermuten und am Turn nur mehr checken. Dann könnte man selbst checken und so den River gratis sehen, was sonst nicht passiert wäre. Denn wenn man Schwäche gezeigt hätte, würde der Spieler weitersetzen und der River wäre teurer. Dieser Raise ist bei guten Draws empfehlenswert.

-Der Raise, um Informationen zu erhalten

Wer sich beim Gegner nicht auskennt, spielt einen kleinen Raise und zwingt ihn damit, irgendeine Reaktion zu zeigen, aus der man die Stärke seiner Hand ableiten kann.

+ Abweichungen vom Basis Pre Flop Spiel

Wer sich das Basis Pre Flop System verinnerlicht hat, der kann auch manchmal davon abweichen. Das betrifft zum Beispiel Suited Connectors und kleine Paare.

Suited Connectors sind Hands wie z.B. 8-7 von gleicher Farbe (suited). Sie können manchmal gespielt werden, wenn viele Spieler im Pot sind, aber man den Flop dennoch sehr billig sehen kann. Mit Suited Connectors will man ein Flush, ein Straight oder zwei Paare erreichen. Wenn das gelingt, dann wird man schwer einschätzbar. Besonders die Top Pairs werden ihr Spiel durchziehen und nie und nimmer ahnen, was man selbst für Karten hält. Man sollte aber Suited Connectors nur selten spielen und die Chance, auch etwas zu treffen, ist auch nicht sehr hoch. Aber hin und wieder unter den genannten Voraussetzungen kann es sich auszahlen.

Kleine Paare wie 33 kann man auf Set Value spielen. Das bedeutet, dass sie nur wegen der Möglichkeit gespielt werden, den Drilling am Flop zu bekommen. Vorausgesetzt, man kann den Flop sehr billig sehen und man hat mindestens 2 Gegner, damit ein hoher Pot gewährleistet ist. Trifft man den Drilling, will man ja soviele Chips wie möglich in den Pot holen. Trifft man ihn nicht, trennt man sich sofort wieder von dieser Hand.

+ Semi Bluff und Bluff

Ein Bluff ist ein einfacher, aber gefährlicher Spielzug. Man will sofort den Pot holen, indem man eine starke Hand vortäuscht. Wird der erste Bluff gecallt, kann man einen zweiten bringen bzw. bis zum River durchziehen. Alles wird aber davon abhängen, ob man die Situation richtig einschätzt. Ist man sich sicher, dass ein Gegner nur auf Flush spielt und es am River nicht macht, dann ist ein Bluff sicher ein sinnvoller Spielzug. Bluffs spielt man am besten gegen tighte Gegner, da sie öfter aussteigen. Gegen einen Verrückten, der immer alles callt, darf niemals geblufft werden.

Der Semibluff ist ein eigener Spielzug. Man hält ein aussichtsreiches Blatt, dass im Moment noch nichts wert ist, aber später enorm stark werden kann, z.B. ein Flush Draw. Hat man ein Flush Draw und will den Semi-Bluff spielen, bedeutet das, dass man sich nicht darauf verlassen will, dass der Flush kommt und spielt gleich so, als hätte man ihn bereits. Wird man gecallt, besteht immer noch die Möglichkeit, den Flush zu treffen. Ziel des Semi-Bluffs ist es aber, den Pot sofort zu holen.

+ Spiel gegen die Blinds

Ist man in später Position und vorher sind alle ausgestiegen, kann man die Blinds angreifen. Dafür muss die eigene Hand nicht besonders gut sein. Die Blinds haben ihre Karten nicht aussuchen können, aber bereits setzen müssen, die Möglichkeit, dass sie etwas ordentliches bekommen haben ist nicht so hoch. Meistens werden sie aussteigen.

Ein anderer interessanter Spielzug ist das Spiel Small Blind gegen Big Blind. Alle Spieler sind ausgestiegen, der Small Blind callt, der Big Blind checkt. Jetzt kann der Small Blind in jedem Fall unabhängig vom Flop und unabhängig von seiner Hand einen Pot Size Bet bringen. Der Big Blind wird in den meisten Fällen aussteigen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Big Blind irgendetwas am Flop getroffen hat ist gering und der Small Blind demonstriert, dass er etwas getroffen hat. Checkt der Small Blind am Flop, so hat andererseits der Big Blind genau dieselbe Möglichkeit für diesen Spielzug.

+ Slow Playing

Dieser Spielzug wird gerne angewandt und man kann nur vor ihm warnen. Man hält eine sehr, sehr starke Hand und täuscht Schwäche vor, um den oder die Gegner dazu zu bringen, selbst zu setzen. Dann wird man erhöhen. Slow Playing versucht, soviele Chips wie möglich in den Pot zu holen. Wenn man ein Monster am Flop hat und selber setzt, schreckt man die Gegner ab und sie steigen vielleicht aus und die Ausbeute ist gering. Klingt sehr gut, kann aber auch ins Auge gehen. Denn wer seine starke Hand nicht ausspielt, gibt den Gegnern eine Möglichkeit, gratis Karten zu sehen und plötzlich haben sie selbst eine starke Hand. Slow playen soll man nur, wenn die Hand wirklich so stark ist, dass sie einfach fast nicht mehr zu schlagen ist.

+ Der Continuation Bet und der Float

Erhöht ein Spieler vor dem Flop hat er eine starke Hand demonstriert. Er wird auch am Flop setzen, auch wenn er gar nichts hat, er will weiterhin Stärke zeigen und den Pot sofort gewinnen. Oft wird der Continuation Bet mit Hands wie AK gespielt, auch wenn kein A oder K liegt. Wird der Continuation Bet gecallt, so muss der Conti-Bet Spieler ihn allerdings auch am Turn weiterspielen. Denn wenn er am Turn plötzlich aufhört zu setzen, entsteht eine Situation, die man floaten nennt.

Wenn der Spieler, der vor dem Flop erhöht hat, am Flop den Continuation Bet bringt und hier gecallt wird, aber am Turn nur mehr checkt, so zeigt er deutlich, dass er jetzt resigniert, weil er immer noch nichts hat. Der Spieler ist jetzt berechenbar geworden und der andere, der vorher nur gecallt hat, kann jetzt einen Raise bringen, egal mit welcher Hand, und in den meisten Fällen den Pot abholen. Dies nennt man den Float.

+ Pot Odds bei unfertigen Hands

Die "Outs" bezeichnet die Anzahl der Karten, die einem helfen, ein starkes Blatt zu machen. Hier noch einmal die einfache Rechenmöglichkeit:

Am Flop:
Anzahl der Outs x 4 = Wahrscheinlichkeit zu treffen

Am Turn:
Anzahl der Outs x 2 = Wahrscheinlichkeit zu treffen

Hat man z.B. 9 Outs zu einem starken Blatt und man befindet sich am Flop, dann trifft man dieses starke Blatt in etwa 36% der Fälle. Grob gerechnet also jedes dritte Mal. Das bedeutet, dass jeder Einsatz, den manbringt, den dreifachen Gewinn in Aussicht haben muss, damit das Spiel noch profitabel bleibt.

Bei 12 Outs am Turn (Wahrscheinlichkeit zu treffen ca. 24%, die Chance also in etwa 1 zu 4) würde es noch profitabel sein im Spiel zu bleiben, wenn in etwa der 4fache Profit mit dem aktuellen Einsatz gewonnen werden kann.

Pokern lernen: 7.) Fixed Limit Cash Games